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Geschichte

Anfänge der Geowissenschaften in Heidelberg

Die Anfänge der Geowissenschaften in Heidelberg gehen auf das Jahr 1784 zurück, als mit dem Umzug der Hohen Kameralschule aus Kaiserslautern auf insgesamt 30 Ochsenkarren auch eine umfangreiche Mineraliensammlung nach Heidelberg kam. Mit diesem Grundstock der geowissenschaftlichen Sammlung wechselte auch der Chemiker, Physiker und Mineraloge Georg Adolf Suckow (1751–1813) von Kaiserslautern nach Heidelberg, wo er neben Johannes Schwab (1731–1795) Vorlesungen in Mineralogie übernahm. Die Ära der Heidelberger Geowissenschaften beginnt formell mit der Antrittsvorlesung von Carl Caesar von Leonhard (1779–1862), die dieser am 1.8.1818 zum Thema „Vom Werthe der Mineralogie“ hielt. Auch wenn von Leonhard noch als „Ordentlicher Professor der Philosophie und der Kameralwissenschaft“ bestellt war, ist mit ihm dennoch erstmals ein ausgewiesener Mineraloge an der Universität sichtbar. Von Leonhard war damals sehr erfolgreich im Vertrieb von Lehrsammlungen durch sein „Heidelberger Mineralien-Comptoir“ und ist bis heute als Erstbeschreiber des glazialen Sediments „Löss“ bekannt. Auch der Naturphilosoph, Zoologe und Botaniker F. J. Schelver (1778–1832) sowie der bekannte Chemiker und Pharmakologe Leopold Gmelin (1788–1853) hielten damals in Heidelberg mineralogisch ausgerichtete Vorlesungen. Gmelins populäre Vorträge zur „Lehre von den Mineralgiften“ fanden auch nach von Leonhards Berufung noch häufig statt.

Abb1 Karl Cäsar Von Leonhard
Abbildung 1: Carl Caesar von Leonhard (1779–1862), erster Lehrstuhlinhaber im Fach Mineralogie.


Die Heidelberger Mineralogie und Petrologie im späten 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts

Langjähriger Leiter des Mineralogisch-Geologischen Instituts war Harry Ferdinand Rosenbusch (1836–1914). Unter ihm und dem Mineralogen Victor Mordechai Goldschmidt (1853–1933) entwickelte sich Heidelberg zu einem führenden Zentrum der Polarisationsmikroskopie. Goldschmidt, der entfernt mit dem Geochemiker Viktor Moritz Goldschmidt verwandt war, gründete später ein privates „Institut für Mineralogie und Krystallographie“ und legte gemeinsam mit seiner Ehefrau Leontine Goldschmidt (geborene von Portheim, 1863–1942) als private Stifter die Grundlage für das heutige Völkerkundemuseum in Heidelberg. Zahlreiche Geowissenschaftler aus der ganzen Welt wurden damals in Heidelberg geprägt und verbreiteten in ihrer späteren Karriere die Heidelberger petrographische Lehre, insbesondere in Nordamerika (Abblildung 3). Ein besonderer Fund aus der Ära Rosenbusch-Goldschmidt ist ein Liederbuch (Abblildung 4) aus dem Jahr 1887 „zum Gebrauch bei dem Nachcolloquium, auf Excursionen, beim Schleifen, Analysiren, Mikroskopiren etc.“. Als Nachfolger Rosenbuschs leitete ab 1908 Ernst Anton Wülfling (1860–1930) das neugegründete Mineralogisch-Petrographische Institut. In dieser Aufgabe wurde er 1926 von Otto Heinrich Erdmannsdörffer (1876–1955) abgelöst.

Abb2 Rosenbusch Salomon
Abbildung 2: Harry Ferdinand Rosenbusch (1836–1914, links) und Wilhelm Hermann Salomon-Calvi (1868–1941, rechts). Die Karikatur stammt von Max Pfannenstiel (1902–1976), Student in Heidelberg und späterer Professor für Geologie und Paläontologie an der Universität Freiburg.

Frühzeit der geologisch-paläontologischen Forschung in Heidelberg

Mit Vorlesungen zur Petrefaktenkunde durch Heinrich Georg Bronn (1800–1862) hielt zeitgleich mit der Mineralogie auch die Paläontologie in Heidelberg Einzug; sie wurde neben Bronn auch durch die Zoologen Heinrich Alexander Pagenstecher (1825–1889) und Otto Bütschli (1848–1920), einem der Väter der neueren Zellen- und Befruchtungslehre, vertreten. Erst mit der Gründung eines Stratigraphisch-Paläontologischen Instituts im Jahre 1901 – 1908 in Geologisch-Paläontologisches Institut umbenannt – wurde auch dieser geowissenschaftliche Zweig formell in Heidelberg etabliert. Erster Institutsdirektor war Wilhelm Hermann Salomon-Calvi (1868–1941), späterer Ehrenbürger der Stadt Heidelberg, die damit seinen Einsatz für die Erbohrung der Heidelberger Thermalquelle honorierte. Eine der berühmtesten Studentinnen aus dieser Zeit war Tilly Edinger (1897–1967), die sich 1916 in Heidelberg immatrikulierte. Mit ihren später am Senckenberg-Museum und in Harvard durchgeführten Forschungsarbeiten an fossilen Dinosaurierschädeln, für die sie auch die Heidelberger geowissenschaftliche Sammlung nutzte, begründete Edinger die Forschungsdisziplin der Paläoneurologie.

Abb3 Mineralogengruppe Beschriftet
Abbildung 3: Das mineralogisch-geologische Institut um 1895. Abgebildet sind Nachwuchswissenschaftler aus den USA und Kanada mit ihren Heidelberger Kollegen. Von links nach rechts (obere Reihe): D. H. Newland (später Professor an der New York State University Albany, USA), K. v. Kraatz (Heidelberg), R. van Horn (später Professor an der Case Western University, USA), A. Johannsen (später Professor an der University of Chicago, USA), E. B. Mathews (später Professor an der Johns Hopkins University, USA), sowie (untere Reihe): C. Palache (später Professor Harvard University, USA), Th. Jaggar (später Professor am Massachusetts Institute of Technology, USA, und Gründer des Hawaiian Volcano Observatory), A. Osann (Heidelberg) und R.W. Brock (später Professor Queen’s University, Kanada).

 

Abb4 Institutsgesangbuch
Abbildung 4: Instituts-Liederbuch des „Heidelberger Geologischen Panopticums“ (H.G.P.), eine scherzhafte Bezeichnung für das damalige Mineralogisch-Geologische Institut, gedruckt 1887.

Nationalsozialismus und Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg

Eine wesentliche Zäsur für die Heidelberger geowissenschaftlichen Institute war die Naziherrschaft. Goldschmidts Institut und Sammlung wurden 1939 dem Mineralogisch-Petrographischen Institut angegliedert; er selbst verstarb im Mai 1933, wahrscheinlich noch bevor er von der kurz zuvor ergangenen Zwangsbeurlaubung aufgrund des sogenannten Badischen Judenerlasses erfuhr. Salomon-Calvi emigrierte 1934 nach Entzug seines professoralen Status und der Ehrenbürgerrechte in die Türkei. Dort wurde er mit dem Aufbau der Landwirtschaftlichen Hochschule Ankara (später Universität Ankara) zum Mitbegründer der modernen geowissenschaftlichen Ausbildung in der Türkei. 1941 verstarb er im Exil. Im Jahr darauf verübte Leontine Goldschmidt am Tag vor ihrer geplanten Deportation ins Lager Theresienstadt Suizid.

Nach der Neugründung der Universität im Jahr 1945 war die Heidelberger Mineralogie bis in die 80er Jahre stark von Paul Ramdohr (1890–1985) geprägt, der ein auch heute noch genutztes „Lehrbuch der Erzmikroskopie“ verfasste. Die nächste größere organisatorische Umstrukturierung kam 1965 mit den Gründungen der Laboratorien für Geochronologie und Sedimentgeologie. Aus letzterem ging Anfang der 1970er Jahre offiziell das Institut für Sedimentforschung (1995–2008 Institut für Umweltgeochemie) unter German Müller (1930–2007) hervor. Als erste Professorinnen in den Heidelberger Geowissenschaften wurden in den 1990er Jahren Dominique Lattard (*1950) und Margot Isenbeck-Schröter (*1956) berufen. Seit 2008 sind die drei ehemaligen geowissenschaftlichen Institute als Institut für Geowissenschaften mit derzeit elf Forschungsgruppen vereinigt (Stand Oktober 2019).

Abb5 Institut Friedrichsbau
Abbildung 5: Gruppenphoto des Mineralogisch-Petrographischen Instituts vor dem Friedrichsbau kurz vor dem Umzug 1967

Geschichte der geowissenschaftlichen Sammlungen

Die Geschichte des Instituts ist eng mit ihren umfangreichen geowissenschaftlichen Sammlungen verbunden, die zu den ältesten in Deutschland zählen. 1818 wurde die Sammlung im ehemaligen Dominikanerkloster eingerichtet, an dessen Stelle heute der Friedrichsbau steht. Dieser beherbergte von 1862 bis 1967 das Mineralogisch-Petrographische Institut und seine Vorläufer. Bereits 1853 wurde ein Ausstellungssaal in der Altstadt mittwochs und samstags zwischen 2 und 4 Uhr der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Klage, dass dieser nicht groß genug sei, um auch den „geognostisch-paläontologischen“ Teil der Sammlung auszustellen, zeigt, dass es schon damals Platzprobleme gab. 1909 wurde das berühmteste Stück der Sammlungen, der zwei Jahre zuvor gefundene Unterkiefer des Homo heidelbergensis, dem Geologisch-Paläontologischen Institut von Otto Schoetensack (1850–1912), Titularprofessor der Universität Heidelberg, übergeben. Dieses Institut war damals im Haus zum Riesen untergebracht. Der Unterkiefer wurde im Zweiten Weltkrieg ins Salzbergwerk Bad Friedrichshall-Kochendorf ausgelagert. Seit den Wirren der letzten Kriegstage galt er als verschollen; erst 1947 wurde er glücklicherweise nur leicht beschädigt in einem Abfallhaufen des Bergwerks wiedergefunden. Seitdem befindet er sich wieder sicher verwahrt im Institut für Geowissenschaften der Universität Heidelberg. Eine Kopie ist im Museum des 1967 bezogenen und bis heute genutzten Gebäudekomplexes im Campus Neuenheimer Feld ausgestellt.

Abb6 Neuenheimerfeld
Abbildung 6: Institutsgebäude und Museum „Im Neuenheimer Feld“.

 

 


 

Quellen:

Text basiert auf: Schmitt, A. K. & Grühbaum, J. (2018) Geowissenschaftliche Mitteilungen GMIT, 73, 50-51.

Abbildung 1: Universitätsbibliothek Heidelberg, Lizenz CC-BY-SA 4.0, Bild-ID 4575 [Roux, Jacob Wilhelm Christian(Radierer; Maler; Zeichner), Lithograph: Fleischmann (?)]

Abbildung 2, 3 und 5: Archiv der Geowissenschaften der Universität Heidelberg

Abbildung 6: Janet Harvey

 

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 16.10.2019
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