19.05.2026 Von Vorlesungen über Feldpraktika bis vor Gericht: Deutschlands erster MSc-Blockkurs

Vom 11. bis 15. Mai 2026 veranstaltete das Institut für Geowissenschaften der Universität Heidelberg erstmals den MSc-Blockkurs „Forensische Geologie“. Der von Prof. Dr. Yamirka Rojas-Agramonte organisierte Kurs brachte 27 Studierende aus den Geowissenschaften, der Molekularen Biotechnologie, der Biologie und der Geoarchäologie zusammen. Gemeinsam erkundeten sie, wie geowissenschaftliche Methoden zu Ermittlungen, Rechtsprechung und gesellschaftlich relevanten Fragestellungen beitragen können.

Die forensische Geologie, auch Geoforensik genannt, nutzt geologische Materialien und Methoden – darunter Böden, Sedimente, Fernerkundungsdaten und geophysikalische Verfahren – für strafrechtliche Ermittlungen, Umweltfälle, humanitäre Einsätze und Gerichtsverfahren. Der Kurs verband Vorlesungen und Fallstudien mit praktischen Übungen zu Spurenevidenz, Landschaftsinterpretation, historischen Fällen, Drohnenkartierung und operationeller Erdbeobachtung. Den Abschluss bildete eine simulierte Gerichtsverhandlung.

Zum Kursprogramm trugen zahlreiche internationale und nationale Fachleute bei, darunter Dr. Laurance Donnelly, Gründer und Vorsitzender der IUGS Initiative on Forensic Geology; Dr. Alastair Ruffell von der Queen’s University Belfast; Prof. Duncan Pirrie von der University of South Wales; Prof. Dame Lorna Dawson vom James Hutton Institute; Dr. Benjamin Rocke von der Queen’s University Belfast; Annabelle Chowdhurry, MSc, vom Bundeskriminalamt; Prof. Christian Winter von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel sowie Staatsanwalt Sebastian Ibing.

Als erster Kurs dieser Art in Deutschland zeigte der Blockkurs, welchen Beitrag geowissenschaftliche Expertise zu rechtlichen, gesellschaftlichen und humanitären Fragestellungen leisten kann. Für die Studierenden bot die Woche eine seltene Gelegenheit, wissenschaftliche Methoden mit praktischer Ermittlungsarbeit und juristischer Kommunikation zu verbinden. Damit unterstrich der Kurs zugleich die wachsende Bedeutung der Geowissenschaften über ihre traditionellen Anwendungsfelder hinaus.